Es schwindet ausgerechnet
das, was die Marktwirtschaft am dringlichsten braucht: Vertrauen. „Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskräfte der Märkte“, sagte Deutsche-Bank-Chef
Josef Ackermann am Montag und forderte eine Beteiligung des Staates an einer gemeinsamen Rettungsaktion mit Banken und Notenbanken. Dass er dies nur auf die Krise am amerikanischen
Immobilienmarkt bezog, war schnell vergessen. Stattdessen wurden Ackermanns Sätze zur Bankrotterklärung für den globalen Kapitalismus stilisiert.
„Diese Krise“, sagt Werner Abelshauser, Wirtschaftshistoriker an der Universität Bielefeld, „reicht
deutlich tiefer als alle vorangegangenen Turbulenzen seit der Weltwirtschaftkrise von 1929. Wir haben es mit Marktversagen zu tun. Ein solches Problem kann nur der Staat lösen.
“
Wie konnte es soweit kommen? Wieso haben gewiefte Investoren wie Lewis oder die Vorstandschef fast
aller großen Banken die Alarmzeichen übersehen? Und warum ist selbst die amerikanische Federal Reserve, die mächtigste Notenbank der Welt, nicht mehr im Stande, die Märkte wirklich zu
beruhigen?
Es wäre zu simpel, die alleinige Verantwortung dafür auf den überhitzten amerikanischen
Immobilienmarkt zu schieben. Die Probleme sitzen tiefer. Die Finanzwelt hat über zwei Jahrzehnte einen gefährlichen Cocktail gemixt, der lange wie Doping für die Weltwirtschaft wirkte – und sich
nun in Gift verwandelt.
Der Ursprung reicht bis 1987 zurück. Damals kam Alan Greenspan an die Spitze der US-Notenbank. Der
passionierte Jazzmusiker sendete gleich nach seinem Amtsantritt ein unmissverständliches Signal. Im Oktober 1987, kurz nachdem der US-Aktienindex Dow Jones an einem Tag um knapp 23 Prozent
eingebrochen war, senkte Greenspan drastisch die Zinsen. Nur 15 Monate später waren die Kurse wieder auf dem Vorcrash-Niveau. Ein Rezept, das Greenspan in den fast 19 Jahren seiner Amtszeit immer
wieder anwandte. Und das ihn unter Anlegern und sogar unter renommierten Ökonomen zu einem Superstar werden ließ.
von Bernd Schwab
veröffentlicht in:
Berichte
0
empfehlen
Foto: dpa
Alle haben es gewusst. Seit Jahren hat sich an Finanzmärkten eine gefährliche Blase gebildet. Zu
lange haben Banker, Investoren und Politiker zugesehen. Nun steht die Welt am Rande der schwersten Krise seit 1929. Rufe nach dem Staat sind verständlich. Gegen Gier aber hilft am Ende nur eins:
die begründete Angst vor dem Verlust.
Joseph C. Lewis gehört zu jenen privilegierten Menschen, die auf der Sonnenseite des globalen
Finanzkapitalismus stehen. Aus seiner Villa mit Meerblick auf den Bahamas regiert er sein weit verzweigtes Reich aus Firmen und Immobilien. Dazu gehört auch der Londoner Fußball-Club Tottenham
Hotspurs. Mit einem geschätzten Vermögen von drei Milliarden Dollar liegt Lewis auf Platz 368 auf der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt.
Finanzkrise trifft vor allem die
USA
Finanzkrise macht Allianz das Leben
schwer
Firmen sehen Aufschwung in Gefahr
Opposition kritisiert Milliardenhilfe für
IKB
Opposition fordert Aufklärung über
BayernLB
Auf der nächsten Rangliste dürfte sich der 71-jährige Brite allerdings einige hundert Plätze weiter
unten wieder finden. Ausgerechnet ihn, der gemeinsam mit George Soros 1992 die Bank of England mit gewagten Devisenspekulationen in die Knie zwang, hat sein Instinkt für sichere Geschäfte
verlassen. Noch am Donnerstag kaufte Lewis für rund 30 Millionen Dollar Aktien der Investmentbank Bear Stearns. Vier Tage später, als die US-Notenbank und der Konkurrent JPMorgan Bear Stearns
retten mussten, hatte das Paket nur noch einen Wert von rund einer Million Dollar. Selbst dieser Verlust wirkt nur wie ein verlorenes Taschengeld im Vergleich zu den insgesamt fast 1,2 Milliarden
Euro, die der Brite Lewis offenbar mit seinen insgesamt knapp zehn Prozent an der Bank in den Sand gesetzt hat.
Spätestens seit der Beinahe-Pleite von Bear Stearns steht die Finanzwelt Kopf. Wie ein lähmendes
Gift frisst sich die Angst immer stärker, immer schneller durch das weltweite Finanzsystem. „Das Schlimme ist, dass wir alle gleich handeln“, sagt der Vorstand einer deutschen Großbank. „Wir
sitzen in Angststarre auf dem Geld.“ Der Mann klingt resigniert.
von Bernd Schwab
veröffentlicht in:
Berichte
0
empfehlen
Foto: dpa
Frankfurt - Der mutmaßliche Mörder zweier Frauen in Brandenburg und Sachsen hat die Taten nach
ersten Erkenntnissen der Polizei aus Rache begangen. Auf dem Computer des 26-Jährigen wurde ein entsprechender Abschiedsbrief gefunden.
Das sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt (Oder), Peter Salender, am Samstag. Danach
sei der in Dresden studierende Mann mit seinen Leistungen unzufrieden gewesen und habe dafür die beiden Frauen verantwortlich gemacht.
Bei ihnen soll es sich um eine frühere Freundin und die Stiefschwester handeln. Der Student tötete
sich laut Polizei selbst.
von Bernd Schwab
veröffentlicht in:
Berichte
0
empfehlen
Australien: Rentner baut sich eine Tötungsmaschine
Stundenlang war ein verzweifelter Australier durch das Internet gesurft und hatte nach Bauanleitungen für eine Selbstmordmaschine gesucht. Aus einer Schusswaffe und einer elektrischen
Stichsäge baute der Rentner sich einen Roboter, der auf Knopfdruck die tödlichen Schüsse auf den alten Mann abfeuerte. Ein 81-jähriger Australier hat sich mit Hilfe eines selbstgebauten Roboters
das Leben genommen. Wie die Zeitung „Gold Coast Bulletin“ berichtete, bastelte der Rentner die aus einer Schusswaffe und einer elektrischen Stichsäge bestehende Suizid-Maschine anhand von Plänen,
die er zuvor aus dem Internet heruntergeladen hatte. Er soll Stunden damit zugebracht haben, eine geeignete Bauanleitung im Netz zu finden. Die Zeitung aus dem Bundesstaat Queensland schrieb
weiter, der Mann habe die Maschine in seiner Einfahrt aufgestellt und sich per Fernbedienung mindestens drei Mal in den Kopf geschossen. Eine Polizeisprecherin bestätigte den Tod, wollte sich zu
den Umständen aber nicht äußern. Ein Zimmermann von einer nahegelegenen Baustelle hatte die Schüsse gehört. Er war als einer der ersten an der Unglückstelle und sagte dem Blatt, die Maschine habe
„sehr seltsam“ ausgesehen. Laut „Gold Coast Bulletin“ wurde im Haus des alleinstehenden Selbstmörders ein Brief gefunden, in dem dieser die Versuche seiner Verwandten beklagte, ihn in ein
Altersheim einzuliefern. In dem Brief erklärte er auch, warum er sich in seiner Einfahrt tötete: Der alte Mann wollte nach seinem Tod schnell gefunden werden. Welt Online, 22.03.2008
von Bernd Schwab
veröffentlicht in:
Berichte
0
empfehlen
Nachgefragt: Wie hoch ist eigentlich der Solidaritätszuschlag?
Steuern zahlen ist notwendig und sinnvoll – diese Einsicht ist in Deutschland durchaus vorhanden. Sonst hätte die Steueraffäre um Klaus Zumwinkel auch nicht für einen solchen Aufschrei der
Empörung gesorgt. Zurecht finden die meisten Bürgerinnen und Bürger, wer gutes Geld verdient, muss auch seine Steuern ordentlich zahlen.
Worüber sich aber sehr wohl debattieren lässt, ist die hohe Steuerlast in Deutschland. Denn es ist unbestritten: Ist Steuer erst einmal
erfunden, wird sie so schnell nicht wieder abgeschafft. So ist es auch mit dem Solidaritätszuschlag, der zur Finanzierung der Wiedervereinigung in Deutschland im Jahr 1991 (beziehungsweise nach
zwei Jahren Pause 1995 wieder) eingeführt wurde.
Der Solidaritätszuschlag ist ein Zuschlag auf unsere Steuerlast. Genauer: 5,5 Prozent von unserer Steuersumme zahlen wir zusätzlich noch als
„Soli“ an den Staat. Ein Beispiel: Angenommen, Ihre Steuerlast für 2007 beträgt 20.000 Euro. Dann müssen Sie immerhin 1.100 Euro zusätzlich als Solidaritätszuschlag an den Staat zahlen.
Eigentlich war das Geld für Förderprojekte und den Aufbau von Infrastruktur in den neuen Bundesländern gedacht. Es darf laut Gesetz aber auch zur Entlastung bei Haushaltsspitzen eingesetzt
werden. Sprich: Das Geld fließt in den allgemeinen Staatshaushalt – wie andere Steuern auch.
Da der Aufbau Ost inzwischen weitestgehend abgeschlossen ist und es auch im Westen genügend strukturschwache Gegenden gibt, wäre es schön
wenn sich die Einsicht durchsetzt: Mehr als jede staatliche Wirtschafts- und Aufbeauförderung bringt es, wenn die Bürger mehr Geld in der Tasche haben, um es auszugeben. Wünschenswert wäre, diese
Zusatzbelastung ein für allemal ohne jede Gegenfinanzierung abzuschaffen und eine solche „vorübergehend eingeführte“ Steuer nicht auf ewig bestehen zu lassen.
von Bernd Schwab
veröffentlicht in:
Berichte
0
empfehlen
Reklamation war unberechtigt? Dann zahlt der Käufer die Reparatur
zwei Jahre haben Sie Zeit, um den Mangel an einem gekauften Produkt zu reklamieren. Liegt der Fehler auf Seiten des Verkäufers oder Herstellers, muss dieser ihn kostenfrei beheben. Was aber, wenn
sich herausstellt, dass Sie als Käufer eigentlich daran schuld sind, dass ein Defekt auftritt?
Um diesen Fall ging es jüngst vor dem Bundesgerichtshof. Ein Altenheim hatte eine Lichtrufanlage bestellt. Nachdem der
Elektrotechniker sie installiert hatte, wollte sie nicht recht funktionieren. Er wurde gerufen, um sie auszutauschen, was er zähneknirschend auch tat. Nachher stellte sich heraus: Die Mitarbeiter
des Altenheims hatten vergessen, eine bestimmte Kabelverbindung herzustellen. Außerdem hatten sie eigenmächtig einige Einstellungen verändert. Wer muss jetzt die Reparatur zahlen – das Altenheim
oder der Elektroinstallateur.
Hier entschieden die Richter zugunsten des Elektroinstallateurs. Schließlich hätte er den Mangel nicht zu vertreten. Der Käufer hätte
wissen müssen, dass der Fehler in seinem Verantwortungsbereich lag.
Das Fazit aus diesem Fall: Bevor Sie per Reklamation die Reparatur oder den Austausch eines defekten Gerätes fordern, sollten Sie
sich davon überzeugen (und notfalls erst prüfen lassen), ob Sie nichts verkehrt gemacht haben. Sonst kann der betreffende Händler von Ihnen Schadenersatz fordern. Und das kann teuer
werden.
von Bernd Schwab
veröffentlicht in:
Berichte
0
empfehlen
Nachgefragt: Hat die US-Präsidentenwahl Einfluss auf das Börsengeschehen?
Der Wettkampf Clinton gegen Obama hat uns bis vor kurzem die Welt in Atem gehalten. Jetzt ist das Duell entschieden. Stellt sich die Frage, wie
die Börse reagiert. Langjährige Forschungen zeigen: Nicht wer Präsident wird, entscheidet über den Verlauf von Dow Jones und Co., sondern die Frage, wann die nächsten Präsidentschaftswahlen
stattfinden.
So haben Statistiker den Kursverlauf des Dow Jones von über 100 Jahren untersucht. Das verblüffende Ergebnis: Es gibt tatsächlich einen Zusammenhang. Im Vier-Jahres-Rhythmus passt der Zyklus zur
US-Präsidentenwahl. Grob vereinfacht steigen die Kurse im Jahr vor der Präsidentschaftswahl und in dem Jahr, in dem sie stattfindet. Dagegen stagnieren sie ab dem Jahr, das der Wahl folgt, oder
fallen sogar leicht.
Reiner Zufall, glauben Sie jetzt? Es gibt durchaus plausible Begründungen für diesen Wahlzyklus an den Börsen: Vor der Präsidentenwahl macht ein US-Präsidentschaftskandidat üblicherwese
Versprechungen, die Konjunktur anzukurbeln und die US-Bürger vor allzu hohen Steuern zu entlasten, damit sie mehr Geld für notwendige Verbrauchsgüter haben. Direkt nach der Wahl werden solche
Versprechen auch am ehesten umgesetzt. Die unbeliebteren Maßnahmen dagegen werden auf die Mitte des Präsidentschaftszyklus gelegt. Damit sie rechtzeitig abgeschlossen sind, bevor es wieder in den
Wahlkampf geht.
Und es ist bislang so: Vom privaten Verbrauch der US-Konsumenten hängt ein großer Teil der Weltwirtschaft ab. Das mag sich zwar womöglich bald ändern, wenn die Menschen in den Schwellenländer
mehr konsumieren. Aber bislang kurbelt vorwiegend der US-Konsum die Wirtschaft an. Also die Hoffnung nicht aufgeben, dass es dieses Jahr doch noch was wird mit dem Kursfeuerwerk an den Börsen.
Die US-Wahl ist übrigens erst im November.
von Bernd Schwab
veröffentlicht in:
Berichte
0
empfehlen
Warum Sie ab 2009 nicht zwangsläufig den Abgeltungsteuersatz zahlen
2
5 Prozent beträgt der Abgeltungssteuersatz. Dazu kommen Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag, sodass Sie als Sparerin oder Anlegerin maximal
etwa 28 Prozent von Ihren Kaptitalerträgen an den Fiskus abführen müssen.
Zwei Chancen gibt es, weniger zu zahlen. Die eine: Stellen Sie einen oder mehrere Freistellungsaufträge. Denn insgesamt 801 Euro dürfen Sie an Sparzinsen, Dividenden oder Kursgewinnen auch ab dem
Jahr 2009 steuerfrei einnehmen. Die Bank führt die Steuer nicht ab für Beträge, die unter per Freistellungsauftrag freigestellten Summe (höchstens 801 Euro) bleiben. Bei Ehepaaren liegt dieser
Sparerpauschbetrag bei 1.02 Euro.
Eine zweite Chance haben diejenigen unter Ihnen, die in manchen Jahren sehr wenig Geld verdienen. Sie können zwar nicht verhindern, dass die Bank die Abgeltungssteuer auf die Kapitalerträge
abführt, die über den Sparerpauschbetrag hinausgehen. Aber Sie können sich Geld vom Fiskus zurückholen. Wenn Ihr persönlicher Grenzsteuersatz nämlich unter dem Abgeltungssteuersatz liegt, sollten
Sie Ihre Kapitaleinkünfte in der Steuererklärung angeben.
Dann wählen Sie einfach die „Veranlagung zum individuellen Einkommensteuertarif“ und zahlen folglich nur Ihren persönlichen Steuersatz und nicht die (höhere) Abgeltungssteuer.
Diese beiden Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, sich eingehend zu informieren. Wer keine Ahnung hat und einfach den Staat und die Bank machen lässt, zahlt fast zwangsläufig zuviel
Steuern.
von Bernd Schwab
veröffentlicht in:
Berichte
0
empfehlen